die bohème ruft

Laptop und Latte - die L’s die die Welt bedeuten?

z.B. aus dem Studivz. Dort gibt es eine Gruppe, die “Wir sind digitale Bohème” heißt. Ich zitiere:
Kein Bock auf Festanstellung? Nicht rentenversichert? Knietief im Dispo? Egal! Den Laptop eingepackt und ab ins Café. Wozu Sicherheit, wenn Mobilität so geil ist? Beute dich selbst aus, dann kann es niemand anderes tun! Denn wir sind digitale Bohème…
Klingt doch nett, oder? Würde mich ja interessieren, wieviel an diesem Klischee dran ist. Tatsächlich bin ich auf einige Leute gestoßen, die gerne mit dem PC ins Café gehen, eben um auch mal was anderes zu sehen als immer nur die eigenen vier Wände und ein bisschen “unter Menschen” zu gelangen.

3 Antworten zu “die bohème ruft”

  1. interessantes blog. gut aufgemacht. nur der hintergrund mit dem magister fehlt. das könnte zb so aussehen wie hier: http://www.websehen.net/impressum/

    bei dem ganzen gerede über digitale boheme frage ich mich, ob man nun boheme ist, nur weil man keinen festen job hat und latte im cafe trinkt und mit seinem apple-book über wlan surft. ist ein selbständiger kameramann auch boheme? oder ein selbstständiger architekt? in ihrem buch machen lobo und friebe es ja schlicht und ergreifend an dem festen job fest. boheme-attitüden, so schreiben sie, habe so ziemlich jeder. das ist anbetracht der lässigkeit der heutigen jungen akademiker nicht ganz falsch, aber ich finde, die beiden guten überstrapazieren den begriff der boheme. nur weil jemand keinen job hat und in kreuzberg im cafe surft, ist er noch lange kein boheme.

    das geo-themenlexikon literatur definiert boheme historisch betrachtet als ungebundene, romantische und antibürgerliche künstler und literaten. antibürgerlich ist heute aber ein schwer begriff. was ist antibürgerlich? jemand, der in einer alternativen wohnwagenkolonne lebt – sicher. aber kann jemand, der ein bürgerliches verständnis hat, kein boheme sein? ich habe sicherlich bohemistische attitüden, favorisiere aber auch die bildung (literarisch, musisch etc.) des bürgertums. diese grenzen haben sich aufgelöst. ein boheme ist man im geiste. und selbst ein job kann da nicht ein- oder ausgrenzen. es ist aber sehr wohl die frage, wie sehr man sich seiner kunst hingibt.

  2. digitalbohemian Sagt:

    danke, hatte ich irgendwie schon gemacht, aber dummerweise nicht freigeschaltet. also hier dann:
    http://digitalbohemian.wordpress.com/uber-das-blog/

    Tja, gute Frage was heutzutage noch anti-bürgerlich ist. Irgenwie wird ja gerade das Antibürgerliche total vermarktet und somit völlig dem Kaptialismus überlassen…

  3. fillina Sagt:

    beschäftige mich auch akademisch und persönlich mit dem thema der boheme. die klassische boheme war schon immer eine “bewegung”, die aus dem bürgertum entstanden ist bzw. sich gegen dieses entwickelt hat. heutzutage gibt es ist diese art von bürgertum gar nicht mehr, aber der klassische bohemien hat auch eine affinität zum bürgertum, da er aus demselbigen hervorgekommen ist.
    zum thema vermarktung ist auch der artikel von elizabeth wilson: “the bohemianisation of massculture” lesenswert!

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