Medienhype?
Was soll man sagen? Seit ungefähr 2 Jahren taucht die Digitale Bohème in den Medien auf. Es ist ja auch ein wirklich schönes Thema: Alles verändert sich, die Postmoderne und ihre Flexibilisierung droht, hier sind die neuen jungen Leute, die ganz selbstbewusst und individuell arbeiten. Perfekt. Aber wieviel steckt dahinter?
In sämtlichen Interviews und Berichten wird auf Sascha Lobo und Holm Friebe verwiesen mit ihrem Buch „Wir nennen es Arbeit.“ Aber das sind genau zwei Leute und vielleicht noch eine Handvoll mehr, aus dem Dunstkreis der ZIA. Dann wäre mensch schon mit seinen Forschungen am Ende, der Begriff, der laut Sascha Lobo aus marketing-technischen Gründen eingeführt wurde, wäre nichts mehr als ein Medienhype. Tatsächlich aber exisitieren zahlreiche freiberufliche Kreative, die in Berliner Cafés rumschwirren und es Arbeit nennen. Einige zählen sich zur Digitalen Bohème, einige haben noch nie etwas von ihr gehört, leben aber trotzdem so. Das Phänomen kann man vor allem auch nicht auf Deutschland beschränken.
In Frankreich diskutiert man über die „Intellektuellen Prekären“, in Japan beklagt man sich über die Generation der „Freeter“, in Amerika werden die „Yetties“ (young, entrepreneurial, tech-based, twentysomething) gefeiert und in Deutschland schwankt man zwischen den Urbanen Pennern und schließlich der Digitalen Bohème. Es gibt eine Entwicklung hin zu immer flexibleren Arbeitsverhältnissen, das wird schon länger diskutiert. Aber interessant ist zu sehen, wie junge Leute auf diese veränderte Arbeitsmarktsituation reagieren und sie für sich umdeuten. Der Spruch von Wowereit „Arm aber sexy“ bekommt in diesem Sinne noch mal eine völlig neue Tiefe: Besser selbstbestimmt leben und dafür weniger Geld kassieren, als ein sicheres, stabiles Einkommen haben und verblöden oder sich zu Tode langweilen.