Boheme – nur noch ein Modewort?

Hat die heutige Boheme ihren Subkulturcharakter verloren? Gerade im Hinblick auf 40 Jahre Abstand zu den 68ern ist das eine wichtige Frage. der Boheme von heute wird immer wieder vorgeworfen, dass sie sich angepasst hat – und noch viel schlimmer, dass ihre Werte und Überzeugungen nun in die Massenkultur übergehen. In Mainstream der Minderheiten z.B. schreiben die Autoren Terkessides und Holert darüber, wie aller Kopf und gegenkulturellen Bewegungen in einen Mainstream übergehen, der von einem Differenzkapitalismus gesteuert ist. Das ist nur ein Beispiel. Viele stellen die kreativen Leute von heute als komplette Marionetten eines bösen Kapitalismus dar, der irgendwo da draußen auf sie lauert. Lobo und Friebe vor sehen das in „Wir nennen es Arbeit“ ein wenig gelassener: der Mythos der Gegenkultur sei sowieso schon immer hinfällig gewesen, jedoch lassen sich die Ökonomie trotzdem benutzen um die Spielräume der Kunst zu erweitern. Die Frage sei wer wen beherrscht und ausnutzt. Siehe dazu auch die Diskussion bei meinem anderen Beitrag.

3 Antworten zu “Boheme – nur noch ein Modewort?”

  1. der begriff boheme zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er überflüssig ist. er ist eine worthülse, die jeder mit seinen schönen ideen füllen kann. oft verbindet man mit boheme einen künstlerischen menschen, vielleicht einen maler oder schriftsteller, aber dann ist es eben vor allem dieses, das ihn definiert, nicht das boheme-sein. und möchte man damit nur eine gewisse lässigkeit ausdrücken, dann ist fast jeder boheme. eigentlich ein schwachsinniger begriff.

  2. digitalbohemian Sagt:

    du hast schon recht, der begriff boheme wird sehr weit gedehnt. seit es die boheme gibt, wird sich beschwert, dass sie verwässert ist und nicht so wie damals. und es kann ja nicht sein, dass sich der maler im hausprojekt und der designer der für nike arbeitet sich bohemian nennen und damit das gleiche meinen. aber interessant ist trotzdem warum die leute sich so nennen und unbedingt diesen begriff für sich okkupieren wollen. was fasziniert so daran? die lässigkeit? das subkulturelle?

  3. Bohème, das hat natürlich etwas romantisches… ich finde angesichts von Entwicklungen à la Amazon Mechanical Turk den Begriff des Digitalen Proletariats passender: http://tinyurl.com/6zzwe4

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